1. Auflage 1998, 96 Seiten, Format 20 x 12,8 cm
ISBN 978-3-932740-10-7, Broschur, 12,90 Euro, 23,00 sFr
Best.-Nr. 10
Unter Dichtern zählt er zu den Impressionisten: Heinrich Wolframs Gedichte sind
Naturgemälde. Jahreszeiten sind ihm wie Lebenszeiten, das Blühen und Welken in der Natur
sind ihm wie Geburt und Tod des Menschen. Distanziert betrachtet er einen Kosmos, der die
Welt zusammenhält. Und doch läßt er den Leser spüren, daß es nur eines Windhauchs
bedarf, um diese Welt ins Wanken zu bringen. Naturbeschreibungen sind Wolframs Sprachrohr
für menschliches Schicksal: Filigran setzt er den Pinsel an, um Katastrophen und
Zusammenbrüchen Gestalt zu geben. Starke Kontraste sucht er auf, wobei eine bedrängende
Lichtempfindlichkeit den Weg seiner Metamorphosen vorgibt. Dunkelheit gewinnt Macht über
Helligkeit, die Nacht über den Tag so begegnet der Dichter den Gefahren von Eros
und Thanatos. Nur zögerlich strahlt das Licht durch diese Schattenwelt. Wolframs Gedichte
atmen dort, wo es sich schwerlich atmen läßt: auf hohen Bergen, im Meer, am
Himmelsfirmament. Doch je schwerer die Luft wird, desto lesenswerter ist seine
tiefgreifende Lyrik.
Wenn sich Heinrich Wolframs scharfer Blick von der Natur zur bildenden Kunst wendet, so
verwandeln sich Farben und Formen in Gemütsbewegungen. Wie er Edvard Munchs Gemälden
Verzweiflung und Bedrohliches den Bildern Vincent van Goghs entnimmt, so verschließt sich
seine Wahrnehmung aber keineswegs dem lustvollen Streben Paul Gauguins oder der positiven
Energie eines Joan Miró. Da dürstet jedes Wort nach Leben.