Teodoras Četrauskas
Als ob man lebte
Ein heroisches Märchen
Aus dem Litauischen von Klaus Berthel
1. Auflage
2002, 88 Seiten, Format 21 x 13,8 cm
ISBN 978-3-89896-121-9, Broschur, 12,90 Euro, 23,00 sFr
Best.-Nr. 121
Dieses Buch gibt vor, ein Märchen zu sein; doch tatsächlich
ist es alles andere als märchenhaft, was hier beschrieben
wird. Im Grunde nur wenig verfremdet, erzählt Četrauskas mit
dem für ihn typischen beißenden Humor die Geschichte Litauens
während des langen Zweiten Weltkriegs. Dieser Krieg dauerte im
Baltikum noch bis zum Tod Stalins und lange darüber hinaus;
erst in den 90er Jahren endete er mit dem Abzug der
sowjetischen Truppen, als der letzte Partisan seinen Bunker
verließ. Satirisch nähert sich Četrauskas diesem für die
nationale Vergangenheitsbewältigung elementaren Themenkomplex
zwischen Widerstand, Mitläufertum und Verrat an. Er erzählt
die Geschichte des braven Schuldirektors und Familienvaters
Juozas, der sich in der harten Krieger- und Männerwelt
ziemlich schnell verirrt und schon nach einigen Jahren seinen
eigenen Tod organisiert, um das Gesicht zu wahren, am Ende
aber im »Großen schwarzen Loch« des Jenseits mit seinem
Unvermögen, Politik, soziale Verantwortung und Ethik
vereinbaren zu können, konfrontiert wird.
Teodoras Četrauskas, litauischer Schriftsteller und
Übersetzer, wurde 1944 in Ukmergė geboren. Er studierte
Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Vilnius. Von
1970 bis 1986 war er Lektor des Verlags Vaga, verantwortlich
für deutschsprachige Literatur. Seit 1986 ist er freischaffend
tätig. Er übersetzte zahlreiche deutschsprachige Bücher
bedeutender Autoren ins Litauische, darunter Grass, Lenz,
Thomas Bernhard, Kafka, Canetti u. a. Zudem verfasste er
Erzählungen und Kinderbücher.
»Einer meisterhaften Komposition verdankt Teodoras
Cetrauskas’ heroisches Märchen seine von Kapitel zu Kapitel
steigende Spannung. Als ob man lebte wird Bitternis im Leser
hinterlassen; es zeigt den Auftakt der russischen Okkupation
und führt uns in das Herz litauischer Befindlichkeiten.«
Heinz Müller, Buchhändler heute 9/2002