ATHENA Verlag - Rolf Duscha

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Hans-Jürgen Wilhelm

Gefangene ihrer Wahrheit

Wahrheit, Wirklichkeit und Normalität in der stationären Altenpflege

(Altern – Bildung – Gesellschaft, herausgegeben von Ludger Veelken, Bd. 2)

1. Auflage 1998, 256 Seiten, Format 21 x 14 cm
ISBN 978-3-932740-13-8, Broschur, 20,50 Euro, 36,00 sFr

Best.-Nr. 13

Alle Personen sind Gefangene ihrer Wahrheit. Die innerhalb einer Gesellschaft gültige Wahrheit ist die Grundlage gemeinsamen Handelns. Der Preis für diese Grundlage ist allerdings, daß andere mögliche Wahrheiten und somit ein Großteil der ebenfalls möglichen Interpretationen des Gegebenen einfach ausgeblendet werden. Entfällt diese gemeinsame Grundlage, ist ein für alle Seiten befriedigendes Agieren nicht mehr möglich. Wenn – wie z. B. bei dem dementen Bewohner eines Altenpflegeheims – unterschiedliche Wahrheiten vorliegen, sind auch die hierauf aufbauenden Wirklichkeiten nicht mehr vergleichbar, wodurch Normalität unmöglich wird, da ein und dieselbe Situation verschieden gedeutet und verstanden wird.

Im Gegensatz zur Behandlung des Bewohners soll die Begegnung mit diesem in den Mittelpunkt des Arbeitens innerhalb der stationären Altenpflege gerückt werden. Dies wird möglich, wenn man gelernt hat, die Welt mit den Augen anderer zu sehen. In diesem Zusammenhang verlieren die Begriffe Wahr und Falsch ihre trennende Bedeutung; sie werden relativ.

Aufbauend auf der phänomenologischen Soziologie von Schütz werden in der vorliegenden Arbeit die theoretischen Ebenen Wahrheit, Wirklichkeit und Normalität entwickelt, vorgestellt und schließlich auf das Alter und dann auf die stationäre Pflege angewandt. Mit der Vision eines Begegnungszentrums wird ein Lösungsvorschlag für die Probleme und Mißverständnisse, die sich aufgrund unterschiedlicher Wahrheiten in der stationären Altenpflege ergeben, angeboten.

»[...] Diese Arbeit ist ein ebenso innovativer wie schwieriger Versuch, da die Debatte über das sozialpolitische Umfeld der Pflege immer mehr in rein praktische Fragen abzugleiten scheint. Aus diesem Grund ist das Projekt [...] nachdrücklich zu begrüßen. [...] Eine große Aufgabe – eine gelungene Lösung, welche sowohl die gerontologische Diskussion als auch die Praxis bereichern wird.«

Reimer Gronemeyer

»[...] Wilhelm läßt seine umfangreiche, sehr beeindruckende Arbeit ausklingen mit konkreten praktischen Vorschlägen, die umsetzbar sind und die die Institution nicht vor unlösbare Aufgaben stellen (auch nicht betriebswirtschaftlich). Das hier vorgestellte Buch stellt eine Bereicherung für alle dar, die sich, über den ›Tellerrand der stationären Altenpflege‹ hinausblickend, aufmachen zu einem neuen Verständnis von Wahrheit, Wirklichkeit und Normalität in ihrem Arbeitsalltag. [...] Für diese Arbeit kann man nur dankbar sein.«

Norbert Zimmering, in: Altenpflege-Forum 1/99

Gefangene ihrer Wahrheit
 

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