(Altern Bildung Gesellschaft, herausgegeben von Ludger Veelken, Bd. 3)
1. Auflage 1998, 324 Seiten, Format 21 x 14 cm
ISBN 978-3-932740-15-2, Broschur, 22,50 Euro, 39,50 sFr
Best.-Nr. 15
»Ich kann morgen nicht zu Ihrem Geburtstag kommen. Morgen ist mein freier Tag«, sagt
eine Altenpflegerin, als sie von einer ihrer Patientinnen eingeladen wird. Diese
naheliegende Antwort erscheint paradox. Jede andere Arbeitnehmerin könnte ja gerade dann
kommen, wenn sie einen freien Tag hätte.
Gerade in den Sozial- und Pflegeberufen müssen wir unsere privaten
Ansichten und Empfindungen noch einmal neu sortieren. Kein anderes Arbeitsfeld ist
assoziativ so verwoben mit ureigensten Hilfeleistungserfahrungen, geprägt von unserer
frühkindlich-existenziellen Erlebniswelt und dicht verbunden mit bedeutsamen
persönlichen Beziehungen. Professionelle Helfer müssen sich deshalb im Interesse eines
beruflich geeigneten und erweiterten Spektrums von Handlungsalternativen und Spielräumen
immer wieder neu von gewohnten Reaktionsmustern befreien, indem sie ihr Selbstkonzept in
Frage stellen, weniger vertraute Pfade erproben und ihre Erwartungssicherheit in bezug auf
ihren beruflichen Alltag vertiefen.
Für dieses Bedürfnis, entstanden entlang eines gesellschaftlichen Wandels, der mit
Begriffen wie Individualisierung, Säkularisierung und Globalisierung beschrieben werden
kann, sollte Supervision als Institution zur Erarbeitung kultureller Interpretationen
einen Rahmen anbieten und konzeptionelle Antworten finden.