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Heinrich G. F. Schneeweiß
Was nun, Prometheus?
Erzählung
1. Auflage 2004, 76 Seiten, Format 21 x 13,8 cm
ISBN 978-3-89896-185-1, Broschur, 11,90 Euro, 21,00 sFr
Best.-Nr.
185
Joannis Psarémis verläßt 1945 seine Heimat Kreta, um in
einem griechischen Restaurant in Wien einen neuen Anfang zu
wagen. So wie ihn zog es damals viele junge Leute weg aus
der vermeintlich einengenden Heimat. Einer davon – Joannis’
Freund Giorgios – ist nun nach Jahrzehnten in Paris nach
Iraklion zurückgekehrt und hat auch den Freund zur Rückkehr
bewegt, um ihn bei fachwissenschaftlichen Studien zu
unterstützen. Diese Rückkehr teilt der Leser mit Joannis:
gemeinsam mit ihm trifft er Freunde von früher und noch
lebende Familienmitglieder. Gemeinsam mit ihm kehrt er an
Orte der Kindheit und Jugend zurück. Schneeweiß lässt den
Leser teilhaben an den Erinnerungen seines Protagonisten,
aber auch an seinen Zweifeln, ob seine Rückkehr eine
richtige Entscheidung war. Und vor allem lässt er ihn das
zwiespältige Verhältnis spüren, das Joannis zu Kreta, seiner
Kultur und Geistesgeschichte und zu den Kretern hat.
Auf der einen Seite sieht er die alten Mythen und Sagen
sehr distanziert: war doch die Göttergläubigkeit der Alten
mit ein Grund für seinen Fortgang, ebenso wie vermeintliche
Enge und empfundener Stillstand. Auf der anderen Seite sieht
er mit Entsetzen, wie pietätlos Kulturgüter von windigen
Geschäftemachern ausgeschlachtet werden, wie Hotels und
Touristen die Landschaft verschandeln und die Natur
zerstören und die meisten Kreter diesem Treiben nicht nur
tatenlos zusehen, sondern sich sogar selbst am »Ausverkauf
der Kultur« bereichern.
Joannis’ beobachtende Distanz verliert sich immer mehr:
auch nach dieser langen Zeit der Abwesenheit wird er – und
mit ihm der Leser – immer mehr in den Bann der Insel
gezogen, und es ist spürbar, wie sehr er sie eigentlich
liebt, welche Bedeutung die griechische Mythologie auch
heute noch für ihn hat und wie er um Verstehen kämpft.
Und waren da zu Beginn noch Zweifel, kommt er am Ende
doch zu der Erkenntnis, dass er bleiben kann, ja bleiben
muss : »Als ich meine Insel damals verließ, wollte ich nicht
auf den Rat meiner Mutter hören. Sie hatte doch Recht. Ich
brauche hier kein zweites Mal wegzugehen.«
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