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Heide Kunzelmann, Martin Liebscher, Thomas Eicher (Hgg.)
Kontinuitäten und Brüche
Österreichs literarischer
Wiederaufbau nach 1945
(Übergänge • Grenzfälle.
Österreichische Literatur in Kontexten, herausgegeben von
Thomas Eicher, Fritz Hackert und Bernd Hamacher, Bd. 12)
1. Auflage
2006, 208 Seiten, Format 21 x 14 cm
ISBN 978-3-89896-262-9, Broschur, 29,50 Euro, 50,00 sFr
Best.-Nr.
262
Der Begriff »Wiederaufbau« dient der Charakterisierung
einer Literatur in und aus Österreich nach 1945. Er ist
direkt aus der politischen Geschichte der Zweiten Republik
in den kritischen kulturwissenschaftlichen Diskurs in
Österreich eingegangen und wird dort zur Bezeichnung für die
Redefinition von Identität, aber auch von Ästhetik auf der
Basis der ökonomischen Restauration in den Jahren zwischen
1945 und 1955/56 verwendet. Wendelin Schmidt-Dengler nutzt
ihn z. B. literarhistorisch als Orientierungshilfe, um die
Zeit zwischen Währungsreform (1948) und Staatsvertrag (1955)
zu beschreiben. Bei Robert Menasse erscheint er hingegen
ideologisch aufgeladen: In der Wiederaufbauphase überleben
Rückstände faschistischer Gesinnung, die sich im
bürgerlichen Bewußtsein der Nachkriegsjahre festsetzen. Der
Wiederaufbau des Literaturbetriebs folgt auf den
wirtschaftlichen und endet erst mit dem gesellschaftlichen
Umbruch, der das literarische Interpretationsmonopol des
Bürgertums untergräbt. Die beiden Ansätze zur Verortung
einer Wiederaufbauliteratur sind im Hinblick auf die
Beiträge dieses Bandes als Folie zu sehen. Sie bilden,
zusammen mit dem Begriffspaar des Untertitels, die
ideologische Basis für die Diskussion über Brüche und
Kontinuitäten in der literarischen Identität des Staates.
Die ausgewählten Beiträge illustrieren, daß das dialektische
Verhältnis von Traditionsbezug und Progression innerhalb der
Forschung zur österreichischen Literatur längst eine
Konstante geworden ist. Sie zeigen aber auch, daß sich
sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch
präzisierte Fragestellungen neue Blickwinkel auf die
Nachkriegsliteratur erschließen.
Die Beiträge:
Heide Kunzelmann und Martin Liebscher: Kontinuitäten und
Brüche. Österreichs literarischer Wiederaufbau nach 1945
Thomas Eicher: »Das Provisorische bleibt, weil das Dauernde
seine Zeit gehabt hat«. Alexander Lernet-Holenia – ein
Nachkriegsreaktionär?
Klaus Amann: Krieg als Thema der österreichischen Literatur
nach 1945
Sigrid Schmid-Bortenschlager: Beziehungen. Beobachtungen zur
Rolle von Schriftstellerinnen in der österreichischen
Nachkriegsliteratur
Richard Dove: Eine andere Besetzung? Drei Emigranten und das
Nachkriegsösterreich: Hermynia Zur Mühlen, Robert Neumann,
Hilde Spiel
Ursula Seeber: Ein Niemandsland? Remigranten in Österreich
Bernhard Fetz: Überleben als zynischer Witz. Albert Drachs
langsame Heimkehr ins Nachkriegsösterreich
Leonard Olschner: Das zu Erreichende hieß Wien. Die
verfehlte Ankunft Paul Celans
Rüdiger Görner: Dem Späten voraus sein oder: Kunst zwischen
Arrièregarde und Avantgarde
Stefan Krammer: Dramatische Sprach-Körper. Oder: Wie sich
die Wiener Gruppe aufführt
Kalina Kupczynska: Sprache als Zankapfel oder Warum das Duo
Oswald Wiener/Otto Muehl verstummte
Malcolm Spencer: »Wieviel Heimat braucht der Mensch?« Die
Suche nach der Heimat in Ingeborg Bachmanns »Drei Wege zum
See«
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