|
Daniel Mepin (Hg.)
Tonè Tonè
Märchen und Erzählungen
aus Kamerun
(Literaturen und Kulturen
Afrikas, herausgegeben von Yomb May, Bd. 1)
1. Auflage 2000, 92 Seiten, Format 20 x 12,8 cm
ISBN 978-3-932740-59-6, Broschur, 12,90 Euro, 23,00 sFr
Best.-Nr.
59
»... Was die meisten Leute erstaunte, war,
dass der Hellseher für seine Arbeit weder eine Bezahlung noch
eine Belohnung verlangte, obwohl sich sein Erfolg überall
herumsprach. Dieses Verhalten brachte ihm den Namen Yanga, d.
h. der, der es umsonst macht, ein. Was man ihm auch immer als
gebührende Anerkennung für seine Arbeit schenken wollte,
lehnte Yanga dankend ab. Dieser ungewöhnliche Umstand zog noch
mehr Menschen magisch an. Solche, die in die Zukunft blicken
wollten, um ihr Leben erfolgreich zu gestalten, andere, die
sich gegen einen bösen Nachbarn schützen wollten, und wieder
andere, die meinten, aus eigener Kraft eine begehrte Frau
nicht erobern zu können. Yanga wusste, wie es sich für
Hellseher gehört, über alles Bescheid, so dass er seinen
Klienten nie die Frage nach dem Grund ihres Besuches stellte.
Und so unterschiedlich die Wünsche auch sein mochten, er fand
für jeden Besucher ein passendes Rezept. Sein Erfolg war
dermaßen überwältigend, dass Yanga selbst es sich nicht
erträumen ließ, jemals könne sich etwas daran ändern.
Doch eines schönen Tages klopfte in aller
Frühe ein buckliges Männlein an seine Tür. Yanga bat den
Besucher, wie gewohnt, mit freundlicher Stimme herein. Das
bucklige Männlein stürzte in die kleine Hütte. Als Yanga es
erblickte, fuhr er zusammen und stellte zum ersten Mal die für
Hellseher wohl fatale Frage: ›Warum kommst du so bestürzt und
atemlos zu mir?‹ ...«
Diese Sammlung von Märchen
und Erzählungen verdankt ihre Entstehung der Absicht, das
geistige Erbe der kulturellen Tradition, wie es in der
überlieferten Kunst des Geschichtenerzählens Niederschlag
gefunden hat, auch durch die Schrift weiterzugeben und zu
bewahren.
Doch über diese äußere
Notwendigkeit hinaus begibt sich Daniel Mepin in jeder seiner
Erzählungen durch eine sehr variierte Erzählkunst mit dem
Leser auf die andere, bisher verborgene Ebene eines
kulturellen Lebens, welches unter dem Bann des verlängerten
Wortes der Vorfahren steht. Mepin gelingt es, die Grenze
zwischen Leser und Zuhörer weitgehend aufzuheben, und so zeigt
sich an diesem Band, wie durch das Weiterwirken eines primären
Oralitätsbewußtseins die Umsetzung mündlichen Erzählgutes in
die Schrift auf eine Inszenierung des Wortes übergeht. |
 |