| Winfried Paarmann Das
Marienkäferkind
Erzählungen
1. Auflage 2000, 168 Seiten, Format 21 x 13 cm
ISBN 978-3-932740-67-1, Engl.
Broschur, 14,50 Euro, 26,00 sFr
Best.-Nr. 67
Gemeinsam ist den Protagonisten in Paarmanns Erzählungen, dass sie in eigentlich
geordneten und sicheren Verhältnissen leben, ihr Alltag feste Bezugspunkte, Regeln und
Rituale hat und in einer gewissen Gleichförmigkeit verläuft. Diese Ordnung wird
durchbrochen durch scheinbar belanglose Begebenheiten ein Riss in der Wand, eine
Spinne im Keller, eine wimmernde Katze vor der Wohnungstür, ein neu zugezogenes Kind in
der Nachbarschaft. Doch diese Wesen entpuppen sich immer mehr als Botschafter
geheimnisvoller, auch abgründiger Welten, die sich in das Leben der Personen
hineindrängen, gewünscht oder unerwünscht, die gewohnten Gleise darin verschieben oder
es auch ganz aus der Bahn werfen und es schließlich doch immer mit neuem Reichtum
erfüllen.
In der Erzählung »Der Tunnelgarten« verbirgt sich hinter dem Spiegel im ebenerdigen
Packraum ein Riss, der zu einem Tunnel geweitet schließlich den Blick auf
eine mysteriöse Landschaft freigibt, ein Rätsel und doch zugleich die Antwort auf eine
tief verborgene Sehnsucht des Bücherpackers Kalescho. Die zunächst unmerklich und dann
unübersehbar ins Gigantische wachsende Spinne im »Spinnenkeller« spinnt ihre Fäden
immer tiefer in Silbergers Leben ein, der zunehmend ihrer Faszination erliegt, bis sie ihn
selbst ins Netz zieht; erst dort und in den Fieberträumen einer langen Krankheit lernt
er, seine Lebenswirklichkeit neu zu begreifen. Auch der selbstgefällige Kunstprofessor in
»Der Katzenmann« muss durch eine Begegnung der Schrecken gehen, die ihn plötzlich in
einen Strudel der Selbstzweifel zieht und doch eine neue Klarheit zurückläßt:
»Manchmal war es ihm, als hätte er noch einmal sehen gelernt oder lerne es erst;
viel wacher, schärfer, beständiger.«
In allen Erzählungen manifestiert sich diese Wandlung, diese neue
Blickweise, die schließlich auch die Natur einbezieht. Diese wird in einer neuen
brüderlichen Vertrautheit erfahren, ein unscheinbarer Strauch eröffnet den Blick auf
einen eigenen kleinen Lebenskosmos, verholzte, scheinbar tote Stämme erwachen zu neuem
Leben, trockene Blätter und Blüten offenbaren nach Jahren ihre Heil- und Zauberkraft.
Hinter den zurückgelassenen Ordnungen öffnen sich neue gleichfalls stimmige.
Trennungen und Abschiede erweisen sich als Illusion, Zimmermauern werden gesprengt und
neue »Geheimnisräume« dahinter entdeckt, in denen sich die Versprechen des Geträumten,
scheinbar nur Märchenhaften einzulösen beginnen manchmal selbst mit der Rückkehr
in die bekannte Wirklichkeit. |
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