Teodoras Četrauskas
Irgendwas, irgendwie, irgendwo
Ironische Stadtgeschichten
Aus dem Litauischen von Klaus Berthel
1. Auflage 2001, 96 Seiten, Format 21 x 13 cm
ISBN 978-3-932740-86-2, Broschur, 12,90 Euro, 23,00 sFr
Best.-Nr.
86
Resümierend könnte man sagen: Teodoras Četrauskas
liefert in seinen »Ironischen Stadtgeschichten« ein Bild der
sowjet-litauischen Gesellschaft, zum Teil auch der Jahre
danach. Aber das gleichsam nebenbei. Denn eigentlich tut er
nichts anderes als seine Mitmenschen, Freunde und Kollegen,
sich selbst eingeschlossen, zu beobachten und ein wenig aufs
Korn zu nehmen. Es dominiert ein eher leiser Humor, hier wird
nicht die satirische Keule geschwungen. Ins Blickfeld geraten
die bürokratische Vergabe von Wohnungen und rabiate Methoden,
›außer der Reihe‹ eine zu ergattern, die gewaltige Rolle, die
der Alkohol im Lande Lenins spielte, die hohle Phraseologie
der Politruks oder die Abenteuer und Strapazen einer
Westreise. Der Autor hat diese Spätphase der kommunistischen
Gesellschaft einmal treffend als »sanften Untergang«
bezeichnet. Später gab es auch unsanfte Momente. Nach der
Schreckensnacht vom Januar 1991, als den Litauern nach
bekanntem Drehbuch ›brüderliche Hilfe‹ aus Moskau zuteil
wurde, erscheint ihm die Muse, sonst ein zartes Geschöpf, als
ein Papirossa rauchendes Flintenweib im Kampfanzug, das ihm
Befehle erteilen will. – Dennoch, bei allem Sowjetspezifischen
ist »Irgendwas, irgendwie, irgendwo« kein politisches Buch.
Schon gar nicht eins, das Geschichtsunterricht erteilen will.
Das geschieht allenfalls, in Eulenspiegelmanier, in der
Einleitung, wo dem deutschen Leser die Standardfragen zu den
Balten und zur Ex-Sowjetunion gleich mitgeliefert und endlich
erschöpfend beantwortet werden.
Teodoras Četrauskas, litauischer Schriftsteller und
Übersetzer, wurde 1944 in Ukmergė geboren. Er studierte
Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Vilnius. Von
1970 bis 1986 war er Lektor des Verlags Vaga, verantwortlich
für deutschsprachige Literatur. Seit 1986 ist er freischaffend
tätig. Er übersetzte zahlreiche deutschsprachige Bücher
bedeutender Autoren ins Litauische, darunter Grass, Lenz,
Thomas Bernhard, Kafka, Canetti u. a. Zudem verfasste er
Erzählungen und Kinderbücher.