Basaa-Fabeln

Yomb May (Hg.)

Basaa-Fabeln

Aufzeichnungen aus der oralen Tradition Kameruns

Literaturen und Kulturen Afrikas, hg. von Yomb May, Bd. 2

1. Aufl. 2000, 64 Seiten
Broschur 12,8 x 20 cm
ISBN: 978-3-932740-61-9

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»... Eines Tages fand eine Schildkröte am Ufer eines großen Flusses ein schönes Blatt. Sie betrachtete das Blatt einen Augenblick, nahm es und wickelte ihr Ei darin ein. Nicht weit davon entfernt traf die Schildkröte ein Krokodil. Das Krokodil bewunderte das schöne Ei und fragte die Schildkröte sofort: »Wer hat dein Ei so schön bearbeitet?« Die kluge Schildkröte antwortete: »Ich selbst. Ich bin ein Künstler.« »Kannst du meine Eier auch so bearbeiten?« fragte das Krokodil. »Natürlich kann ich das. Das ist mein Beruf«, sagte die Schildkröte. So nahm das Krokodil die Schildkröte auf den Rücken und führte sie in seine Wohnung, die an dem anderen Ufer lag. Als sie ankamen, sagte die Schildkröte zu dem Krokodil: »Laß mich alleine arbeiten. Das ist das Geheimnis meiner Kunst.« Das Krokodil gehorchte sofort. Es ließ die Schildkröte alleine in der Wohnung und entfernte sich. So sehr schätzte es die Kunst der Schildkröte. Die Schildkröte schloß die Tür und begann, die Eier des Krokodils zu fressen. Nachdem sie sich satt gegessen hatte, zertrat sie den Rest und machte daraus einen Haufen Eierschalen. Als sie mit der Arbeit fertig war, ging sie aus dem Haus, schloß die Tür und rief das Krokodil ...«

Die in diesem Band gesammelten Fabeln sind das Ergebnis einer Feldforschungsarbeit in der Basaa-Tradition, in der Fabeln und verwandte Erzählungen bis heute auf mündlichem Wege weitergegeben werden. Als Zeugnisse der Oralität unterliegt das Fabelgut, aus dem die vorliegenden Texte hervorgegangen sind, je nach Erzählkontext und Talent des jeweiligen Fabelerzählers – bei Wahrung des überlieferten inhaltlichen Kerns – unterschiedlichen Variationen in funktionaler und performatorischer Hinsicht. Die hier schriftlich fixierten Versionen spiegeln weitgehend die orale Diktion während ihrer Aufzeichnung wider und stellen damit exemplarisch eine adäquate Grundlage für die Auseinandersetzung mit einer lebendigen, ausschließlich mündlich tradierten afrikanischen Fabeldichtung dar.

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