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Bajohr, Ulrike

Ulrike Bajohr wurde 1954 in Sachsen geboren. Sie studierte Journalismus in Leipzig und war Redakteurin beim Rundfunk der DDR. Von 1994 bis 2020 arbeitete sie beim Deutschlandfunk in der Hauptabteilung Kultur. Neben ihren zahlreichen journalistischen Veröffentlichungen und Featuretexten, veröffentlichte sie bereits die Romane: »Die Anständigen« (2023) und »Schwestern« (2024).

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Interview mit Ulrike Bajohr zu ihrem Buch »Die unkomplizierte Frau«

Soeben ist ihr Buch »Die unkomplizierte Frau« erschienen. In einem Satz: Was erwartet die Lesenden?

Ulrike Bajohr: Die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Was wäre gewesen wenn …

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Christa blickt auf verschiedene Lebensabschnitte zurück – Jugend, Mitte des Lebens, siebzig. Warum war Ihnen wichtig, diese Perspektivwechsel zu integrieren?

U. B.: … wenn die erste große Liebe bis zum Tod gehalten hätte? … wenn man nicht verlassen, nein, nicht verraten worden wäre? … wenn man gekämpft hätte, statt sich einzufügen, anzupassen, unkompliziert zu sein? … wenn man vom Wege abgebogen wäre, von der vermeintlich geraden Spur? Wäre man dann nicht erst recht in einer Sackgasse gelandet statt in einer kommoden, ein wenig langweiligen Situation? So oder ähnlich fragt sich wohl jede*r ab und zu, und je nach Lebensalter, Berufserfahrung, Beziehungsstatus und ja, auch Weltlage (!), kreist das Nachdenken darüber in anderen Bahnen. Tieftraurig mit zwanzig, bitter-belustigt mit fünfzig, mit siebzig, wenn nicht altersmilde, so doch eingepasst in ein einigermaßen gelungenes Leben. Überhaupt – ohne diesen Verrat damals wäre es wahrscheinlich schief gegangen.

Sie sind in Sachsen geboren und studierten später Journalismus in Leipzig. Wie fließen Ihre eigenen Erfahrungen oder Beobachtungen aus der DDR-Zeit in die Figuren und ihre Interaktionen ein?

U. B.: Diese Geschichte hätte ich ohne meinen biografischen Hintergrund nicht geschrieben. Der schwingt immer mit, denn der Verrat hat viele Facetten, und diesem Falle wurzeln Unbedarftheit und Feigheit im Konkret-Politischen.

Glauben Sie, dass Unkompliziertheit heute in unserer Gesellschaft eine besondere Rolle spielt, insbesondere für Frauen?

U. B.: Ich wollte kein Frauenbuch schreiben, aber ja, Frauen werden von vielen Männern immer noch als »kompliziert« wahrgenommen. Sie wollen reden, statt zu tun, was die Platzhirsche sagen, und wenn sie durchstarten, gelten sie erst recht als kompliziert … Das ändert sich gerade. Unsere Mütter waren unkompliziert. Im Westen haben sie sich ins Hausfrauendasein gefügt, weil es alle so machten, im Osten waren sie berufstätig, weil es auch alle so machten und weil der Staat für die Kinderbetreuung sorgte. In meiner Generation bröckelte dieses Bild im Westen, im Osten hielt es so lange, wie der Staat hielt. Nach der Wende blieben die Ostfrauen erst einmal schön unkompliziert, sie haben sich schneller in den Verhältnissen zurechtgefunden. Aber diese Art Unkompliziertheit hat ausgedient. Christa ist im Laufe ihres Lebens komplizierter, selbstbewusster, anspruchsvoller geworden.

Gibt es Botschaften oder Fragen, die Sie den Leser*innen mit auf den Weg möchten?

U. B.: Seid kompliziert, indem ihr darüber nachdenkt, wer ihr sein wollt. Es geht um euch und eure Selbstbestimmtheit, aber das reicht heute nicht mehr! Vielleicht könnt ihr die Welt nicht ändern, aber was euch gut tut, muss auch für andere gut sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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