Anne Mai lebt in der saarländischen UNESCO-Biosphäre Bliesgau. Sie ist gerne zu Fuß unterwegs, mit Vorliebe auf Pilgerwegen, und entdeckt dabei die kleinen Wunder. Manchmal genügt eine Wildpflanze oder ein schönes Fotomotiv. Schreiben ist für sie immer wieder ein beglückendes Gehen von innen nach außen, möglich durch das richtige Wort. Hierbei spielt insbesondere die Lyrik eine wertvolle Rolle. Gemeinsam mit Carla Capellmann publizierte sie den Lyrikband »wortlose«.
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Interview mit Anne Mai zu ihrem Buch »Mond in den Fischen«
Liebe Frau Mai, soeben ist ihr Lyrikband »Mond in den Fischen« erschienen. In einem Satz: Was erwartet die Lesenden?
Anne Mai: Sie begeben sich auf die Reise, durch Jahreszeiten, Orte oder Landschaften, dazwischen immer wieder ein Verweilen im Augenblick, in seiner jeweiligen Stimmung im Innen und Außen.
Komplettes Interview lesen In Ihrem Band stehen freie Gedichte neben Haiku und Senryu. Was reizt Sie an der Verdichtung dieser japanischen Kurzformen? A. M.: Die Komprimierung eines Eindrucks oder Gefühls in drei Zeilen und siebzehn Silben besitzt etwas Faszinierendes und bietet eine wunderbare Möglichkeit, das Flüchtige einzufangen, um ihm Präsenz zu verleihen. Darüber hinaus impliziert diese Art der Lyrik oft etwas Allgemeingültiges, über den eigentlichen Anlass Hinausweisendes. Wann inspirieren ein Ort oder eine Landschaft zu Gedichten? A. M.: Sowohl die Sehnsucht nach Fremde als auch nach Wiederbegegnung motivieren zu Entdeckungen. Regt ein Ort dazu an, seine besondere Ausstrahlung oder Historie zu erkunden, schärft dies die Wahrnehmung für Details und das Ganze. Ich empfinde das als reichhaltige Inspirationsquelle. In »Mond in den Fischen« stehen Naturbilder oft neben politischen Spannungen und gesellschaftlicher Unruhe. Wie verändert sich das Schreiben von Naturlyrik in einer Zeit permanenter Krisenmeldungen? A. M.: Wenn Naturlyrik die Spannungsfelder der Realität ausblendet, läuft sie Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Nicht umsonst wird der Idylle etwas Trügerisches unterstellt. Ich sehe Natur und Krise eng verbunden. Gleichwohl schenkt uns die Natur bis heute Blicke auf ungeschmälerte Schönheit und befeuert die Dichtkunst. Was wünschen Sie sich, dass Leserinnen und Leser nach der Lektüre mitnehmen? A. M.: Schön wäre das Gefühl einer Bereicherung durch die Sprache, ihre Bilder, ihren Klang. Vielleicht auch eine Anregung, die Zeit bewusster wahrzunehmen, ebenso wie das Innehalten im Augenblick. Vielen Dank für das Gespräch. Interview einklappen
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