Foto Jens Thomas

Thomas, Jens

Jens Thomas, geboren 1970 in Braunschweig, lebt in Berlin. Singer-Songwriter, Jazzpianist, Improvisationskünstler und Geschichtenerzähler. Jens Thomas wurde u. a. mit dem SWR-Jazzpreis (2000), dem Internationalen Jazzpreis Nürnberg und dem Kunstförderpreis Niedersachsen ausgezeichnet.

Weitere Informationen zum Autor finden Sie auf www.jensthomas.com/

Downloads

Leseprobe Bilddatei

Interview mit Jens Thomas zu seinem Buch »ZUHÖREN!«

Lieber Herr Thomas, soeben ist Ihr Buch »ZUHÖREN!« erschienen. In einem Satz: Was erwartet die Lesenden?

Jens Thomas: Ein Hörbuch! Aber eines zum Lesen. ZUHÖREN versammelt sehr subjektive und persönliche Schilderungen meines eigenen Hörens als Künstler und Mensch. Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen, man kann sich einzelnen Themen widmen oder aber das Ganze von Anfang bis Ende lesen. Ich erzähle aus meinem Berufsalltag als Musiker und Stimmtrainer, von mitunter skurrilen Begegnungen und Begebenheiten und denke über die Bedeutung des Zuhörens für uns alle nach. Manchmal versponnen und tiefschürfend, dann aber auch leicht und lustig.

Komplettes Interview lesen

Vielen unserer Leser*innen sind Sie bekannt als Sänger, Jazzpianist und Improvisationskünstler. Was hat Sie zu diesem Buch veranlasst?

J. T.: In den letzten Jahren hatte ich mir nach Konzerten, Theaterauftritten, nach Stimm-Seminaren oder nach Proben mit anderen Künstlern, viele Erfahrungen und Erlebnisse notiert. Ich versuchte zu verstehen, wann ich mich bei der künstlerischen Arbeit wohlfühlte, im »Flow« war, und wann eben nicht. Dann wurde mir klar, dass es immer dann spannend und kreativ wurde, wenn sich alle Beteiligten erwartungsfrei zuhörten. Zudem merkte ich, wie sehr mich die Phänomene Hochsensibilität und Medialität beruflich und privat geprägt haben und ich wollte untersuchen, was das mit dem Hören zu tun haben könnte. Ich entdeckte das Thema Zuhören schließlich in so vielen verschiedenen Bereichen des Lebens, dass ich auf die Idee kam, es könnte vielleicht auch für andere Menschen interessant sein, sich damit zu beschäftigen.

Ich assoziiere mit dem Begriff Zuhören sofort Resonanz. Das führt mich in so unterschiedliche Bereiche wie Musik, Physik, aber auch Spiritualität. Was bedeutet Zuhören für Sie?

J. T.: Zuhören bedeutet für mich in der Gegenwart zu sein und mich dem, was ist, zu öffnen. Anstatt den Fokus auf das zu legen, was ich zu hören erwarte, mehr wahrzunehmen und anzuerkennen, was tatsächlich klingt. Das bedeutet, sich der Wahrheit eines Augenblicks zu nähern und feste Vorstellungen und Konzepte fallen zu lassen. Zuhören ist auch ein Akt der Würdigung meines Gegenübers, der Versuch herauszufinden, was mir jemand wirklich mitteilen möchte. Der Klang ist ja in seiner Ungreifbarkeit nahe am Gefühl: unsichtbar und zugleich sehr einflussreich. Hören ist Fühlen.

Was von allem, was in der Welt passiert und direkt oder indirekt erlebt wurde, hat in Ihnen die tiefsten Spuren hinterlassen?

J. T.: Ein einzelner Klavierton eines Pianisten bei einem Workshop hat während meines Studiums eine tiefe Spur in mir hinterlassen, mich geradezu ins Hören erweckt. Die Geschichte dazu findet sich auch im Buch. Also die große Schönheit im Aller-Kleinsten. Und im Großen: Wir Menschen tun uns selbst und unserem Planeten unfassbar viel Leid an. Mir scheint, dass es da einen Zusammenhang mit der fehlenden Bereitschaft oder Fähigkeit zum Zuhören gibt. Was mich deshalb immer tief berührt, ist der Moment, in dem sich ein Mensch plötzlich in seiner Einzigartigkeit gesehen oder erkannt fühlt. Und das passiert ganz oft in einem Augenblick, in dem ihm erwartungsfrei zugehört wird.

Was möchten Sie zum Abschluss unseres Gesprächs noch sagen?

J. T.: Ich möchte danke sagen, lieber ATHENA-Verlag, dass Ihr dieses abenteuerliche Buch veröffentlicht!

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview einklappen

Alle Bücher von Jens Thomas